Schwarzwälder Pilzlehrschau

Die älteste, einzigartige Schule für Pilzkunde und Naturschutz

 

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Buchvorstellungen und -rezensionen

Buchvorstellungen und -rezensionen

 

Hier werden Sie demnächst von Zeit zu Zeit Buchvorstellungen einsehen können, sowie auch Rezensionen zu bestimmten Büchern, die von der Schwarzwälder Pilzlehrschau als Literatur empfehlenswert erscheinen. 

 

 

Thomas Lassoe und Jens H. Petersen

Fungi of Temperate Europe

Hardcover, 2 Bände

2019, 1708 S., 7.000 Farbabbildungen, 20,1 x 28,6 cm, englisch

ca. € 105

ISBN 978-0-691-18037-3

 

Review

 

Mit über 6kg kommen die beiden seitenstarken Bände daher. Der prachtvolle Einband mit Hallimasch (Band 1) und Sumpf-Haubenpilz (Band 2) macht bereits einen besonderen Eindruck eines Pilzbuchs mit vielen Seiten und vielen Bildern. Um genau zu sein: es sind über 1700 Seiten und über 7000 hochwertige Fotografien von über 2800 Arten.
Wer den 1. Band aufschlägt, der bekommt erstmal eine grobe Übersicht über die verschiedenen Pilzgruppen sowie über diverse, für die Bestimmung wichtige mikroskopische Merkmale, die man als Mykologe kennen sollte. Der Bilderteil behandelt sodann Leistlinge, Lamellenpilze und Röhrlinge. Häufig wird nur eine Art auf einer Seite dargestellt, mit Habitusbild und zusätzlichen Makrofotografien, die wichtige Details zeigen. Eine kurze, aber prägnante Beschreibung führt alle wichtigen Merkmale auf und beinhaltet zudem die Ökologie, die Verbreitung sowie Hinweise zu ähnlichen Arten. Kleine grüne Punkte oder rote Kreuze kennzeichnen die jeweiligen Arten als essbar oder giftig. Die Makrofotografien, die überwiegend von J.H. Petersen sind, zählen aus meiner Sicht zu den besten überhaupt. Sowohl an Schärfe als auch an Farbechtheit mangelt es hier nicht. So macht das einfache Blättern Spaß, auch wenn mal kein Pilz bestimmt werden muss.
Der 2. Band behandelt Nichtblätterpilze und Schlauchpilze. Die Auswahl der abgebildeten Arten ist einzigartig. Die Anzahl der bearbeiteten Gattungen ist unübertroffen und wird wohl lange unübertroffen bleiben, denn selbst kleine, unscheinbare Becherchen und Kernpilze werden beschrieben und auf Bildern gezeigt, die es so in noch keinem Pilzbuch gegeben hat.
Faszinierend sind die sog. „Wheels“, die Pilzräder. Zwar enthalten die Bände keine Bestimmungsschlüssel, doch scheinen die Pilzräder eine neuartige Form der Pilzbestimmung zu ermöglichen. Man sieht nicht nur die verschiedenen Fruchtkörpertypen im direkten Vergleich, sondern häufig auch diverse mikroskopische Merkmale. Selbstredend bedarf es für die korrekte Anwendung dieser „Wheels“ eine gewisse Vorerfahrung, die man aber schnell erlernt.
Alles in allem gehört das Werk zu den besten Büchern, die es derzeit auf dem Pilzmarkt gibt. Es ist hervorragend geeignet als Nachschlagewerk und es enthält insbesondere auch die neueste Nomenklatur (z.B. Phaeoclavulina für die zierlicheren Arten mit stacheligem Sporenornament). Als Liebhaber für Bücher und auch als pilzbegeisterter Mensch, der Bücher im Zeitalter der digitalen Welt wertschätzt, kann ich Fungi of Temperate Europe (FTE) nur wärmstens empfehlen.

Die Pilzräder kann man übrigens kostenfrei downloaden: http://www.mycokey.com/Downloads/FungiOfTemperateEurope_Wheels.pdf

 

 

 

 

Robert Hofrichter

Pilze

Faszinierende Wesen im Verborgenen

2018, 240 S., 31 Abb. in Farbe, 37 Abb. in sw, 14,2 x 2,7 x 22,1 cm

€ 19,99

ISBN 978-3-440-16277-4

 

 

Im KOSMOS-Verlag ist 2018 ein kleinformatiges, 240seitiges Buch erschienen mit dem Titel "Pilze - Faszinierende Wesen im Verborgenen", geschrieben von Robert Hofrichter. Der Autor sagte mir zunächst nicht viel, auch wenn ich das Buch bereits in einer Bücherei in der Hand hatte. Die edle Aufmachung verspricht einen romanartigen Inhalt, und so ist es wohl auch: der Text lässt sich fließend und spannend lesen. Vorgestellt werden auf jeweils mehreren Seiten 30 verschiedene Arten. Wer jetzt denkt, dass die allgemein gut bekannten Spezies in diese Auswahl fallen, der täuscht sich. Vom Falschen Weißen Stängelbecherchen über den Pinselschimmel bishin zum Hausschwamm gibt es allerlei lesenswerte Informationen, die durch die Illustrationen von Paschalis Dougalis abgerundet werden. 

Die Texte erscheinen gut recherchiert und sind wissenschaftlich und taxonomisch auf dem neuesten Stand. Gleichwohl handelt es sich keineswegs um ein klassisches Bestimmungsbuch, sondern um eine Begleitlektüre zu bereits vorhandenen Pilzbüchern, um in die tollen Geschichten rund um die Welt der Pilze einzutauchen. Wer gerne liest und über den pilzkundlichen Tellerrand hinausschauen möchte, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jürgen Guthmann

Heilende Pilze

Die wichtigsten Arten der Welt im Porträt

2017, 424 S., 494Abb., 7Tab., 21 x 28 cm

€ 49,95

ISBN 978-3-494-01669-6 Best.-Nr.: 494-01669

 

Heilende Pilze Die wichtigsten Arten der Welt Juergen Guthmann ISBN 978 3 494 01669 6

 

Der Quelle & Meyer Verlag hat mich vor kurzem per Email kontaktiert mit der Frage, ob ich für das vorliegende Buch "Heilende Pilze" von J. Guthmann eine Rezension schreiben könnte, und hat mir selbiges innerhalb weniger Tage zugesendet. Als Leiter der Schwarzwälder Pilzlehrschau werde ich nahezu täglich mit Pilzen konfrontiert, wobei ich streng differenziere zwischen meiner wissenschaftlich orientierten Arbeit im Bereich der Morphologie und Taxonomie, und sämtlichen anderen Teilgebieten der Mykologie, sei es die Fotografie, die Heilkunde oder die Toxikologie, welche immer wieder als Themen in den Seminaren begeisterter Einsteiger und Fortgeschrittener aufgenommen werden. Ich selbst nehme zwar nicht regelmäßig, aber hin und wieder in gewisser Regelmäßigkeit Auricularia auricula-judae (Judasohr) und Ganoderma lucidum (Glänzender Lackporling) in Kombination zur allgemeinen Verbesserung der Gesundheit, ohne in Details gehen zu wollen. Aus diesem Grund ist mir die praktische Anwendung bekannt und ich habe mich auch bereits in die verschiedenen Anwendungsgebiete bestimmter Pilzarten eingearbeitet. 

 

Damit kommen wir jetzt zum Buch, welches ich teilweise durchgelesen, teilweise überflogen habe. Der Aufbau der enthaltenen Themen ist sehr gut strukturiert, es beginnt mit wichtigen Hinweisen zu diesem brisanten Thema: Krebserkrankungen und Heilpilze. Man könnte hier denken, dass das Buch bei flüchtigem Durchlesen bestimmte Rezepte zur Heilung medizinisch ernstzunehmender Krankheiten propagiert, doch das ist nicht richtig. Im Gegenteil, der Autor ist überaus vorsichtig mit der Präsentation der überaus vielzähligen Anwendungsmöglichkeiten der beschriebenen Pilzarten und betont deutlich, dass eine Mykotherapie im Alleingang nicht der Weg zum Heilungserfolg ist. An diesem Punkt hat das Buch für mich einen großen Schritt in Richtung Seriösität getan, skeptisch, wie ich es anfangs betrachtet habe, beschloss ich nun, es mir ganz genau anzuschauen.

 

 

Ganz dem Arbeitsfeld des Autors entsprechend enthält das Buch recht viele chemische Zeichnungen und Strukturformeln, um die jeweils enthaltenen Stoffe genauer zu erklären. Selbstredend ist hierfür eine gewisse biologische und chemische Wissensbasis vorteilhaft, um nicht ständig Wörter wie Zellmembran oder Rezeptor nachschlagen zu müssen. In diesem Punkt erfüllt das Buch den aktuellen wissenschaftlichen Stand über die Kenntnisse der pilzlichen Inhaltsstoffe und deren Wirkung auf den menschlichen Körper.

 

Nach einer ausführlichen Einleitung mit sehr vielen Details z.B. zu Nährstoffwerten und der Zellwandstruktur von Pilzen kommt man zum Hauptteil mit 40 recht umfangreich gehaltenen Portraits zu bekannten Heilpilzarten. Diese Portraits sind untergliedert in mehrere Unterpunkte, z.B. Verwendung in der Küche, Wissenswertes, Inhaltsstoffe, Geschichte und Standort und Beschreibung der jeweiligen Art, sodass hierfür bis zu 9 Seiten durchgelesen werden können. Eine Fülle an Informationen, die mir in dieser Form in einem Buch noch nicht untergekommen ist.

 

Im Anschluss daran gibt es noch ein kleines Glossar, das meines Erachtens die Masse an Fachwörtern in diesem Buch nicht gerecht wird. Das sei aber an dieser Stelle nicht weiter wichtig, kann sich doch schließlich jeder heutzutage recht einfach über das Internet weiterführende Informationen direkt ins Haus holen. 

 

Unter dem Strich macht das eine herausragende Bearbeitung eines sehr kritisch betrachteten Feldes der Mykologie. Anhand des Buches kann sich jeder ein eigenes Bild davon machen, was Heilpilze sind und wie sie wirken. Nicht nur der Inhalt, auch das sehr übersichtliche und modern gestaltete Layout regt zum Nachschlagen an. Aus meiner Sicht eine klare Kaufempfehlung.